Filler und Fluid Leather bleiben flexibel
Filler dient dem Ausgleichen geeigneter Kratzer, Brüche, Risse und Vertiefungen. Er wird im Leitfaden als flexible, gut füllende Masse beschrieben, deren matte Oberfläche besonders für eine anschließende Überfärbung passt. Fluid Leather wird ähnlich verarbeitet, trocknet jedoch transparenter und stärker glänzend auf. Das kann bei bestimmten glänzenden oder transparent wirkenden Oberflächen sinnvoll sein. Die Produktwahl hängt deshalb nicht nur von der Lochgröße ab, sondern auch davon, wie die Reparatur später optisch angeglichen wird. Bei großer Farbdifferenz lässt sich eine Masse gegebenenfalls leicht vorfärben; sie ersetzt damit noch nicht den abschließenden passenden Farb- und Glanzaufbau.
Lufttrocknung braucht Tiefe und Zeit
Die vorbereitete Stelle wird gereinigt, entfettet, geglättet und bei Bedarf für die Haftung grundiert. Filler oder Flüssigleder werden kontrolliert aufgetragen und an den Rändern flach ausgezogen. Anschließend trocknet die Füllung an der Luft. Genau hier warnt der Leitfaden vor dem Föhn: Eine schnell getrocknete Haut an der Oberfläche kann darunter noch flüssige Masse einschließen. Tiefe Fehlstellen werden deshalb in wiederholten, jeweils getrockneten Aufträgen aufgebaut. Erst die getrocknete Reparatur wird geglättet oder vorsichtig mit GLD nachbearbeitet. Das spätere Prägen einer trockenen Masse ist ein anderer Arbeitsschritt und rechtfertigt keine beschleunigte Heißtrocknung der frischen Füllung.
Die hitzereaktive Paste folgt einem anderen Prinzip
Leather & Plastic Paste ist für kleine, zügig auszuführende Reparaturen beschrieben. Hier löst Wärme die erforderliche Reaktion aus; sie dient nicht bloß dem Verdunsten von Feuchtigkeit. Aufgetragene Menge, Erwärmung, anschließender Prägedruck und Kühlung müssen zusammenpassen. Bleibt die Reaktion unvollständig, kann die Stelle milchig und brüchig bleiben. Zu viel Wärme kann dagegen den umgebenden Untergrund beschädigen, besonders bei empfindlichen Kunstledern und Kunststoffen. Der Leitfaden empfiehlt Übungen und kleine Bearbeitungsabschnitte. Für größere Schäden, ältere Leder oder hitzeempfindliche Bereiche kann die lufttrocknende Alternative besser passen. Geräteinstellungen aus einem Beispiel sind keine universelle Oberflächentemperatur für jedes Material.
Binder, Kleber und Verdicker sind keine Ersatzfüller
Binder neutral stabilisiert bestimmte oberflächlich brüchige Bereiche und liegt funktional zwischen Füllung und neuer Farbe. Der COLOURLOCK-Leitfaden ordnet ihn ausdrücklich auch im Grenzbereich zum Lederaustausch ein: Er macht zerstörtes Material nicht wieder neu. Leather Glue ist für geeignete Verklebungen und Hinterklebungen vorgesehen; Rep-Glue für hochstehende Kanten oder Fasern, nicht für große Risse. Thickener verändert die Konsistenz, kann bei übermäßigem Einsatz aber die Füllkraft schwächen. Diese Produkte erfüllen damit jeweils begrenzte Aufgaben. Eine durchgehende Verletzung braucht zunächst ausreichenden Zusammenhalt, bevor eine schön geglättete Oberfläche sinnvoll ist. Die spätere Nutzung und Dehnung bleiben Teil der Reparaturentscheidung.
Scratch Away ist ein weiterer Sonderfall: Es wird für leichte oberflächliche Kratzer an geeigneten Anilin-, Fett-, Öl- und Nubukledern beschrieben. Für tiefe Verletzungen oder pigmentierte Leder ist es laut Quelle keine passende Alternative zur Reparatur.
Frischen Filler und Fluid Leather an der Luft trocknen lassen. Hitzehärtung, Prägung und Trocknung dünner Farbschichten sind davon getrennte Verfahren.