Ein Werkstoff mit langer Geschichte
Schon frühe Kulturen nutzten Tierhäute für Kleidung, Schuhe und Unterkünfte. Trocknen und Räuchern machten die Haut haltbarer, ließen sie aber auch steifer werden. Nach und nach entstanden Verfahren, mit denen sich Haltbarkeit und Geschmeidigkeit besser verbinden ließen. Pflanzliche Gerbstoffe aus Rinden, Blättern und Früchten prägten das Handwerk lange. Mit der Industrialisierung kamen Maschinen und neue chemische Verfahren hinzu. Die Chromgerbung beschleunigte die Herstellung und erweiterte die Einsatzmöglichkeiten, etwa für Möbel und später Fahrzeuge. Diese Geschichte zeigt: Leder war immer ein gezielt bearbeiteter Werkstoff, auch wenn sein Ausgangsmaterial natürlich ist.
Vorbereitung und Spalten der Haut
Am Anfang steht die Konservierung der Rohhaut, beispielsweise durch Kühlen oder Salzen. In der Weiche wird sie gereinigt und wieder wasserhaltiger und elastischer gemacht. Danach werden Haare, Fett und Unterhautgewebe entfernt. Übrig bleibt die für Leder wichtige Hautschicht. Beim Spalten lässt sich die Haut in verschiedene Schichten teilen. Der Narbenspalt und der Fleischspalt haben nicht denselben Aufbau. Auch deshalb beschreibt eine einheitliche sichtbare Farbe den tatsächlichen Materialwert nur unvollständig. Entkälken und weitere vorbereitende Behandlungen schaffen anschließend die Voraussetzungen dafür, dass die Gerbung im Material wirksam werden kann.
Was die Gerbung verändert
Die Haut enthält ein Netzwerk aus Kollagenfasern. Dieses Netzwerk trägt zur Festigkeit und Elastizität bei, wäre unbehandelt aber kein dauerhaft nutzbares Polstermaterial. Beim Gerben wird es chemisch stabilisiert. Der Leitfaden unterscheidet unter anderem Chromgerbung, pflanzliche Gerbung sowie synthetische und kombinierte Verfahren. Sie setzen unterschiedliche Schwerpunkte bei Weichheit, Festigkeit und Formstabilität. Nach der Gerbung folgen weitere nasse Verarbeitungsschritte: Waschen, Neutralisieren, Färben und Fetten. Die spätere Geschmeidigkeit ist also Teil der Herstellung. Eine oberflächliche Pflegeschicht kann zerstörte Fasern oder eine grundsätzlich ungeeignete Materialstruktur nicht nachträglich ersetzen.
Farbe und Oberfläche kommen hinzu
Die Färbung im Fass bringt transparente Farbstoffe in das Leder. Eine zusätzliche Pigmentierung erzeugt dagegen eine deckende Schicht auf der Oberfläche. Grundierung, Pigmentfarbe und Top Coat erfüllen dabei unterschiedliche Aufgaben: Haftung, Farbton und Schutz beziehungsweise Glanz und Griff. Trocknen, Strecken, Schleifen und Prägen formen das endgültige Materialbild mit. Eine gleichmäßige Narbung kann deshalb hergestellt sein, ohne dass das Material Kunstleder ist. Umgekehrt sagt eine lederähnliche Optik allein nichts über eine gegerbte Faserstruktur aus. Für die spätere Aufarbeitung zählt der vorhandene Aufbau einschließlich seiner Alterung, nicht bloß die ursprüngliche Verkaufsbezeichnung.
Gerbung und spätere Oberflächenzurichtung sind verschiedene Herstellungsschritte. Die sichtbare Oberfläche entscheidet wesentlich über Reinigung und Farbaufbau.